Glossar

Die wichtigsten Fachbegriffe der Stadtplanung – einfach erklärt. Diese Begriffe begegnen dir auf den Spielkarten und helfen, städtebauliche Zusammenhänge zu verstehen.

Stadtbaustein

Ein Stadtbaustein ist ein reales Gebäude auf seiner zugehörigen Grundstücksparzelle im städtebaulichen Kontext. Anders als bei reiner Architekturbetrachtung steht nicht nur das Gebäude im Fokus, sondern sein Zusammenspiel mit dem Umfeld: Erschließung, Freiflächen, Nachbarbebauung.

Bei URBAN PLAY sind die 24 Stadtbausteine in sechs Kategorien eingeteilt: Arbeiten (A), Bildung (B), Handel (H), Nutzungsmischung (N), Wohnen Einfamilienhaus (W1) und Wohnen Mehrfamilienhaus (W2).

Dichte / Dichtewert

Dichte beschreibt, wie intensiv eine Fläche genutzt wird. In der Stadtplanung ist Dichte ein zentrales Steuerungsinstrument: Hohe Dichte ermöglicht kurze Wege und effiziente Infrastruktur, niedrige Dichte schafft Freiraum für Grün und Erholung.

Die Dichtewerte auf den URBAN PLAY-Karten übersetzen verschiedene Nutzungsintensitäten in vergleichbare Zahlen: Wohneinheiten, Arbeitsplätze, Bildungsadressaten oder Verkaufsfläche – jeweils pro Hektar. In der Kategorie Nutzungsmischung entspricht sie der Anzahl kombinierter Nutzungen.

→ Detaillierte Erklärungen findest du auf der Dichtewerte-Seite

GRZ (Grundflächenzahl)

Die Grundflächenzahl (GRZ) gibt an, welcher Anteil eines Grundstücks überbaut werden darf. Sie wird als Dezimalzahl zwischen 0 und 1 angegeben.

Formel: GRZ = (Gebäudegrundfläche + Nebenanlagen) ÷ Grundstücksfläche

Was zählt alles zur GRZ? Neben der Gebäudegrundfläche werden auch Nebenanlagen eingerechnet: Garagen, Stellplätze, Zufahrten, Terrassen und sonstige befestigte Flächen (nach BauNVO §19). Nebenanlagen dürfen die GRZ um bis zu 50% überschreiten, jedoch insgesamt maximal 0,8 erreichen (§19 Abs. 4 BauNVO).

Beispiel: GRZ 0,4 bedeutet: Auf einem 1.000 m² Grundstück dürfen maximal 400 m² Grundfläche durch Gebäude und Nebenanlagen belegt werden. Die restlichen 600 m² bleiben als Freifläche.

Wichtig: Die GRZ sagt nichts über die Höhe aus – ein eingeschossiger Flachbau und ein Hochhaus können dieselbe GRZ haben.

→ Mehr Details und typische Werte auf der Dichtewerte-Seite

GFZ (Geschossflächenzahl)

Die Geschossflächenzahl (GFZ) gibt an, wie viel Geschossfläche im Verhältnis zur Grundstücksfläche gebaut werden darf. Anders als die GRZ kann sie größer als 1 sein.

Formel: GFZ = Summe aller oberirdischen Geschossflächen ÷ Grundstücksfläche

Beispiel: GFZ 1,2 bedeutet: Auf einem 1.000 m² Grundstück dürfen insgesamt 1.200 m² Geschossfläche entstehen – z.B. drei Geschosse à 400 m².

GRZ und GFZ zusammen bestimmen die Bauform: Niedrige GRZ + hohe GFZ = Hochhaus (wenig Grundfläche, viele Geschosse). Hohe GRZ + niedrige GFZ = flächige Bebauung.

→ Mehr Details und typische Werte auf der Dichtewerte-Seite

Gewerbe

Gewerbe bezeichnet bei URBAN PLAY das produzierende und handwerkliche Gewerbe – Werkstätten, Manufakturen, Produktionsbetriebe, Handwerksbetriebe. Der Begriff entspricht dem Gewerbegebiet (GE) der Baunutzungsverordnung.

Abgrenzung zu anderen Kategorien: Im Interaktionsprofil steht Gewerbe getrennt von Büro (Dienstleistungen, Verwaltung, Kopfarbeit) und Handel (Einzelhandel, Nahversorgung). Diese Unterscheidung ist wichtig, weil die Nutzungen unterschiedlich auf ihre Nachbarschaft wirken.

Warum ist das relevant? Ein Architekturbüro stört Wohnen kaum – eine Tischlerei kann durch Lärm, Staub und Lieferverkehr Konflikte erzeugen. Das Interaktionsprofil macht diese unterschiedlichen Wirkungen sichtbar und hilft, Nutzungsmischung bewusst zu planen.

Beispiele für Gewerbe: Schreinerei, Autowerkstatt, Druckerei, Bäckerei-Produktion, Metallbau, Brauerei, Textilfertigung, Maker Space.

BGF (Bruttogrundfläche)

Die Bruttogrundfläche (BGF) ist die Summe aller Grundflächen eines Gebäudes, gemessen an den Außenkanten. Sie umfasst alle Geschosse inklusive Keller, Dachgeschoss und Nebenräume.

Nach <strong>DIN 277:2016</strong> gliedert sich die BGF in Konstruktions-Grundfläche (KGF) und Netto-Raumfläche (NRF). Die NRF umfasst Nutzungsfläche (NUF), Technikfläche (TF) und Verkehrsfläche (VF). Die BGF ist eine wichtige Bezugsgröße für Kostenschätzungen, Flächeneffizienz und städtebauliche Kennwerte.

Bei Anlagen mit mehreren Gebäuden (z.B. Schulen mit Sporthalle) umfasst die BGF alle zugehörigen Gebäude der Anlage.

Grundstücksgröße

Die Grundstücksgröße gibt die Fläche des Baugrundstücks in Quadratmetern (m²) an. Sie ist die Bezugsgröße für die Berechnung von GRZ und GFZ.

Bei URBAN PLAY zeigt die Grundstücksgröße, wie viel Fläche der jeweilige Stadtbaustein einnimmt. Sie variiert stark: Ein Einfamilienhaus steht auf wenigen hundert Quadratmetern, ein Hochschulcampus kann mehrere Hektar umfassen.

Vereinfachtes Grundstück (*): Bei einigen Karten teilt sich das gezeigte Gebäude ein Grundstück mit anderen, unabhängig entstandenen Bauten. In diesen Fällen wird ein vereinfachtes Grundstück aus dem Lageplan abgeleitet, das nur den gezeigten Stadtbaustein umfasst. So bleiben die Kennwerte vergleichbar. Mehr dazu → Vereinfachtes Grundstück.

Vereinfachtes Grundstück (*)

Manche Gebäude teilen sich ihr Grundstück mit anderen Bauten, die unabhängig entstanden sind — etwa eine Schule auf einem Kirchengelände oder ein Wohngebäude auf einem größeren Spitalareal. In diesen Fällen würden GRZ, GFZ und Dichtewerte den gezeigten Gebäudetyp nicht korrekt abbilden, weil das Gesamtgrundstück viel größer ist als der tatsächliche Fußabdruck des Stadtbausteins.

Auf betroffenen Karten wird daher ein vereinfachtes Grundstück verwendet: Aus dem Lageplan wird nur die Fläche abgeleitet, die dem gezeigten Gebäude zuzuordnen ist — Gebäudegrundfläche plus zugehörige Freiflächen. So bleiben die Kennwerte über alle 24 Karten hinweg vergleichbar.

Drei Karten verwenden ein vereinfachtes Grundstück und sind mit einem Sternchen (*) gekennzeichnet:

  • B02 Franziskusgrundschule – Schulgebäude auf größerem Gelände, Grundstück auf bebaute Fläche reduziert
  • W23 Ehemaliges Felix-Platter-Spital – Wohngebäude auf größerem Spitalareal, Grundstück auf bebaute Fläche reduziert
  • N04 Zollhaus Zürich – Straßenraum vom Grundstück abgezogen

Kennwerte / Kennzahlen

Kennwerte (auch Kennzahlen) sind messbare Größen, die städtebauliche Eigenschaften quantifizierbar machen. Sie ermöglichen den objektiven Vergleich verschiedener Projekte.

Bei URBAN PLAY werden sieben Kennwerte auf jeder Karte dargestellt:

  • GRZ – Grundflächenzahl
  • GFZ – Geschossflächenzahl
  • Grundstücksgröße – in m²
  • BGF – Bruttogrundfläche in m²
  • Breite Erschließung – in m
  • Stellplätze – Anzahl PKW-Stellplätze
  • Dichtewert – nutzungsspezifische Dichte (1–5 Score), basierend auf WE/ha, AP/ha, BA/ha oder VF/ha

Die Pfeile auf den Karten (↑↓) zeigen, ob höhere oder niedrigere Werte im Sinne nachhaltiger Stadtentwicklung tendenziell vorteilhaft sind – aber genau hier entstehen die spannenden Zielkonflikte!

Erschließung / Breite Erschließung

Erschließung bezeichnet die Anbindung eines Grundstücks an öffentliche Verkehrswege und Infrastruktur: Straßen, Wege, Ver- und Entsorgungsleitungen. Eine wichtige Grundregel ist: Jedes Grundstück muss erschlossen sein.

Die Breite Erschließung auf den URBAN PLAY-Karten gibt an, wie breit die erschließende Straße oder der Weg ist (in Metern). Dieser Wert zeigt den Flächenbedarf für die Verkehrsinfrastruktur und beeinflusst den Charakter des Stadtraums: Schmale Wege (5–8 m) eignen sich für Wohnstraßen, breitere Erschließungen (15–25 m) für Hauptverkehrsstraßen oder gemischte Profile mit Radwegen und Baumreihen.

Stellplätze

Stellplätze bezeichnen die Anzahl der PKW-Abstellplätze, die für einen Stadtbaustein erforderlich oder vorhanden sind. In Deutschland regeln die Landesbauordnungen den Stellplatznachweis.

Der Stellplatzbedarf variiert stark nach Nutzung: Wohnungen benötigen typischerweise 1–2 Stellplätze pro Einheit, Büros etwa 1 Stellplatz pro 30–40 m² Nutzfläche, Einzelhandel deutlich mehr.

Für nachhaltige Stadtentwicklung gilt: Weniger Stellplätze bedeuten weniger versiegelte Fläche, mehr Platz für Grün und Aufenthalt – aber auch weniger Autoverkehr. Der Kennwert zeigt den Flächenkonflikt zwischen Mobilität und Stadtraumqualität.

Interaktionsprofil

Das Interaktionsprofil zeigt, wie ein Stadtbaustein auf andere Nutzungskategorien wirkt. Es visualisiert die Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Funktionen in der Stadt.

Nutzungsmischung beschreibt das Nebeneinander verschiedener Funktionen in einem Gebäude oder Quartier: Wohnen, Arbeiten, Bildung, Einkaufen, Freizeit. Eine gute Nutzungsmischung gilt als Qualitätsmerkmal lebendiger Stadtviertel: Kurze Wege, belebte Straßen zu verschiedenen Tageszeiten, soziale Kontrolle.

Aber nicht jede Nutzung verträgt sich ohne Weiteres mit der anderen. Manche Stadtbausteine passen sehr gut zusammen, andere sind tendenziell eher konfliktreich. Das Interaktionsprofil auf den URBAN PLAY-Karten macht diese Beziehungen sichtbar.

H-Mischnutzung (Horizontale Mischnutzung): Verschiedene Nutzungen befinden sich nebeneinander auf einer Ebene – z.B. Wohnen neben Gewerbe im selben Geschoss oder auf benachbarten Grundstücken.

V-Mischnutzung (Vertikale Mischnutzung): Verschiedene Nutzungen sind übereinander gestapelt – klassisch: Laden im Erdgeschoss, Wohnen in den Obergeschossen.

Handel

Handel bezeichnet im Interaktionsprofil die Daseinsvorsorge – alle Einrichtungen, die Güter des täglichen, wöchentlichen und gelegentlichen Bedarfs anbieten.

Nach Bedarfshäufigkeit unterschieden:

  • Kurzfristiger Bedarf – täglich: Bäcker, Kiosk, Apotheke
  • Mittelfristiger Bedarf – wöchentlich: Supermarkt, Drogerie, Bekleidung
  • Langfristiger Bedarf – selten: Möbel, Elektronik, Baumarkt

Abgrenzung: Handel umfasst den Verkauf von Waren, nicht aber Gastronomie (→ Freizeit) oder Dienstleistungen (→ Büro). Das Interaktionsprofil zeigt, welche Stadtbausteine Handelsnutzungen in ihrer Nähe benötigen oder unterstützen.

Freizeit

Freizeit fasst im Interaktionsprofil drei verwandte Nutzungskategorien zusammen, die ähnliche Standortanforderungen und Wechselwirkungen haben.

Die drei Teilbereiche:

  • Kultur – Museen, Theater, Kinos, Galerien, Bibliotheken
  • Sport – Sportplätze, Fitnessstudios, Schwimmbäder, Vereinsanlagen
  • Gastronomie – Restaurants, Cafés, Bars, Kneipen

Warum zusammengefasst? Diese Nutzungen haben gemeinsam, dass sie Erdgeschosse beleben, Frequenz erzeugen und oft abends aktiv sind. Sie können mit Wohnen Synergien bilden (belebte Nachbarschaft), aber auch Konflikte (Lärm, Besucherverkehr). Das Interaktionsprofil macht diese Wirkungen sichtbar.

Raumbildung

Raumbildung beschreibt, wie Gebäude den öffentlichen Raum definieren und fassen. Ein Stadtbaustein mit hoher Raumbildung erzeugt klare Raumkanten und definierte Straßen- oder Platzräume.

Positive Raumbildung: Geschlossene Blockränder, Gebäude direkt an der Straße, klare Fassadenfluchten schaffen urbane Räume mit Aufenthaltsqualität.

Geringe Raumbildung: Freistehende Gebäude mit großen Abständen, Solitärbauten in Grünflächen – sie schaffen offene, fließende Räume, aber weniger definierte Stadträume.

Die Skala auf den URBAN PLAY-Karten zeigt die Raumbildungswirkung von −2 (auflösend) bis +2 (stark raumbildend).